Ecclesia-Symposium 2026: Wenn Risiken Perspektiven öffnen
Was vor fünf Jahren als Idee begann, ist heute eine etablierte Plattform für praxisnahes, zukunftsorientiertes Risikomanagement.
Was das Format besonders macht: der branchenübergreifende Austausch. Denn auch wenn Risiken im Detail variieren, folgen sie oft ähnlichen Mustern. Einblicke in reale Entscheidungssituationen machen dies deutlich.
Entscheiden ohne zweite Chance: Lernen von der Bergwacht
Einen besonders eindrucksvollen Einblick gab Reinhold Frank, Leiter des Geschäftsbereichs Qualität, Governance und Nachhaltigkeit der Kliniken Südostbayern AG in Traunstein sowie Einsatzleiter der Bergwacht Bayern.
Seine Einsätze im alpinen Gelände zeigen: Unter extremen Bedingungen müssen Entscheidungen oft unter Zeitdruck und mit unvollständigen Informationen getroffen werden. Risikomanagement folgt hier keinen starren Abläufen. Vielmehr sind Flexibilität und Improvisation entscheidend, um auf unvorhersehbare Situationen reagieren zu können.
– Reinhold Frank, Leitung Geschäftsbereich Qualität, Governance und Nachhaltigkeit Kliniken Südostbayern AG, Traunstein„In anspruchsvollen Situationen tragen keine Konzepte. Keine Tools. Keine Rollen.“
Reinhold Frank, Leitung Geschäftsbereich Qualität, Governance und Nachhaltigkeit Kliniken Südostbayern AG, Traunstein
Was stattdessen zählt, ist Haltung. „Führung beginnt nicht mit Worten, sondern mit dem eigenen Zustand“, erklärt Frank. Standardisierte Prozesse, intensive Ausbildung und realitätsnahe Simulationen schaffen die Grundlage. Im entscheidenden Moment zählen jedoch Präsenz, Klarheit und Verantwortungsbereitschaft.
Die Erkenntnis aus dem Gebirge lässt sich auf andere Branchen übertragen: Wer Risiken beherrschen will, muss lernen, mit Unsicherheit umzugehen – und auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn es keine eindeutigen Lösungen gibt.
Risiken neu denken: Transformation in der Industrie
Wie sich Risikomanagement in einem energieintensiven Umfeld gestaltet, zeigte Dr. Alexander Becker, Vorstandsvorsitzender der GMH Gruppe. Das Unternehmen zählt zu den Vorreitern klimafreundlicher Stahlproduktion und bewegt sich gleichzeitig in einem Spannungsfeld aus Energiepreisen, geopolitischen Entwicklungen und Fachkräftemangel.
„Risiken treffen alle – den Unterschied macht, wer sie besser managt“, bringt es Dr. Becker auf den Punkt. Sein Ansatz: Risiken nicht nur begrenzen, sondern aktiv als Gestaltungsraum nutzen. Nachhaltige Prozesse, technologische Innovationen und eine Unternehmenskultur, die Verantwortung fördert, werden dabei zum entscheidenden Faktor.
Präzision statt Zufall: Risikomanagement in der Luftfahrt
Johannes Kausler, External Manager Financial Projects der Grob Aircraft SE, zeigte, wie konsequent Risikomanagement in der Luftfahrt gedacht wird.
Standardisierte Trainings, Simulatoren und datengestützte Auswahlverfahren verfolgen ein klares Ziel: Unsicherheit systematisch reduzieren und Fehler möglichst ausschließen. Kritische Situationen werden unter kontrollierten Bedingungen trainiert, Entscheidungen datenbasiert vorbereitet.
Der Ansatz unterstreicht, dass wirksames Risikomanagement nicht im Ernstfall beginnt, sondern im System. Für andere Branchen liegt darin eine zentrale Erkenntnis: Wer Risiken beherrschen will, muss sie früh adressieren – in Prozessen und in der Ausbildung.
Global arbeiten, global absichern
Die zunehmende Internationalisierung verändert auch die Risikolandschaft von Unternehmen. Oliver Hirt, Geschäftsführer Litehouse Consulting, Ludwigsburg, und Nina Schäfer machten deutlich, wie dynamisch sich Reiserisiken entwickeln und welche Verantwortung für Unternehmen daraus entsteht.
– Nina Schaefer, Head of Travel Risk Ecclesia Gruppe Assekuranz-Service GmbHArbeit ist nicht mehr ortsgebunden – Risiken aber auch nicht.
Travel Risk Management bedeutet heute, Risiken frühzeitig sichtbar zu machen, klare Prozesse zu etablieren und im Ernstfall schnell handeln zu können. Gute Vorbereitung entscheidet darüber, wie souverän Organisationen mit dem Unerwarteten umgehen.
Entscheidungen unter Unsicherheiten
Julia Alexandra Schütte richtete den Blick auf eine Umgebung, in der Unsicherheit zum Alltag gehört: das Krankenhaus. Entscheidungen müssen hier oft unter hohem Druck und mit begrenzten Ressourcen getroffen werden.
Ihr Ansatz: innehalten, priorisieren, abwägen und konsequent handeln.
Gerade in kritischen Situationen braucht es Orientierung. Transparenz, Mut und Zusammenhalt sind entscheidend, um handlungsfähig zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen.
Der Wald als Generationenaufgabe
Einen langfristigen Blick auf Risiken eröffnete Frank Berstermann mit seinem Vortrag zur Forstwirtschaft im Klimawandel. Hier zeigt sich Risikomanagement in seiner vielleicht nachhaltigsten Form: als Aufgabe über Generationen hinweg.
– Bezirksförster a. D., Hagen am Teutoburger WaldRisikomanagement ist mit Blick auf einen zukunftssicheren Wald eine Generationenaufgabe!
Extreme Wetterereignisse, veränderte Wachstumszyklen und schwer kalkulierbare Entwicklungen stellen Waldbesitzer vor große Herausforderungen. Lösungen liegen in Vielfalt, Anpassungsfähigkeit und langfristigem Denken.
Austausch, der Wirkung entfaltet
Neben den Fachvorträgen war es vor allem der Dialog, der das Symposium prägte. Der Austausch zwischen den Branchen machte neue Denkansätze sichtbar, stellte gewohnte Perspektiven infrage und eröffnete konkrete Impulse für die Praxis.
Mehr als Theorie
Das Ecclesia-Symposium 2026 hat erneut gezeigt: Wirksames Risikomanagement entsteht nicht im Silodenken, sondern im Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Gerade dort, wo Erfahrungen aus verschiedenen Branchen aufeinandertreffen, entstehen neue Denkansätze und tragfähige Lösungen.
Ob im Gebirge, in der Industrie oder im Krankenhaus: Entscheidend ist nicht, ob Risiken auftreten, sondern wie wir mit ihnen umgehen. Oder anders gesagt:
Risikomanagement ist keine Frage der Branche – sondern der Haltung.
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