Wie aus guten Ideen marktfähige Versicherungslösungen entstehen
„Produktentwicklung wird immer datengetriebener“, erklärt Marcel Märtens, Leiter von ecanalytics. Gerade im B2B- und Industriesegment steigt die Komplexität spürbar. Während Risiken früher häufig allgemeiner bewertet wurden, spielen heute strukturierte Daten, Risikoberichte und detaillierte Analysen eine immer größere Rolle. Besonders bei größeren Industrie- oder Gewerberisiken stoßen klassische Bewertungsansätze zunehmend an ihre Grenzen. Unterschiedliche Gebäudestrukturen, individuelle Betriebsabläufe oder komplexe Risikokonstellationen erschweren standardisierte Lösungen zusätzlich. Auch auf Versichererseite steigen die Anforderungen, Risiken differenzierter zu bewerten und regulatorisch sauber einzuordnen.
Viele Lösungsansätze scheitern deshalb heute nicht an der Theorie, sondern an der späteren Umsetzung im Markt. Unterschiedliche Interessen, regulatorische Anforderungen und Rahmenbedingungen müssen dabei von Anfang an zusammengebracht werden. „Als Maklerunternehmen wünschen wir uns natürlich möglichst umfassende Lösungen mit hoher Kapazität und wirtschaftlich tragfähigen Prämien“, erläutert Marcel Märtens. „Versicherer wiederum müssen Profitabilität, Zeichnungsrichtlinien und aufsichtsrechtliche Vorgaben berücksichtigen.“ Deshalb ist die frühe Abstimmung zwischen allen Beteiligten entscheidend. Viele Produktideen scheitern daran, dass bestimmte Rahmenbedingungen zu spät berücksichtigt werden. Im Zweifel zeigt sich erst sehr spät, dass einzelne Anforderungen regulatorisch oder technisch gar nicht umsetzbar sind.
Zusammenarbeit statt Silodenken
Für ecanalytics endet die Entwicklung neuer Lösungen deshalb nicht bei der mathematischen Modellierung. Entscheidend ist vielmehr, dass Konzepte später auch in der Praxis funktionieren und sich sinnvoll in bestehende Prozesse und Strukturen einfügen. „Wir müssen Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette mitdenken“, beschreibt Marcel Märtens den Ansatz. „Es geht nicht nur um die Analyse, sondern auch um Prozesse, Datenanforderungen und die Frage, wie ein Produkt später tatsächlich funktioniert.“
Wichtige Impulse für neue Lösungen entstehen häufig direkt aus den operativen Einheiten der Ecclesia Gruppe. Dort zeigen sich Veränderungen bei Kunden, neue Anforderungen oder Entwicklungen, die Auswirkungen auf den Versicherungsschutz haben, oft sehr früh. „Unsere Produktentwicklung funktioniert nur, weil wir sehr eng mit den Fachbereichen zusammenarbeiten“, erklärt Marcel Märtens. „Die Spartenteams kennen die fachlichen Anforderungen und sind in stetiger Erhebung der Bedürfnisse unserer Kunden. Wir ergänzen diese Perspektive um Datenanalyse, Modellierung und aktuarielles Know-how.“
– Marcel Märtens, Leiter ecanalyticsGerade bei komplexen Risiken reicht es nicht aus, nur einzelne Perspektiven zu betrachten. Tragfähige Lösungen entstehen erst dann, wenn Fachbereiche, Marktanforderungen und Versicherbarkeit gemeinsam gedacht werden
Gleichzeitig müssen, Assekuradeure und Versicherer frühzeitig eingebunden werden. Denn tragfähige Lösungen entstehen nur dort, wo Daten, Prozesse und Risikobetrachtungen zusammengeführt werden. Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis darüber, wie Risiken bewertet werden und welche Anforderungen in der späteren Umsetzung berücksichtigt werden müssen. Nur so entstehen Lösungen, die praktikabel bleiben und sich für Versicherer nachvollziehbar einordnen lassen.
Besonders darin liegt ein entscheidender Mehrwert von ecanalytics. Das Kompetenzcenter liefert nicht nur die mathematisch-fachliche Grundlage für neue Konzepte, sondern verbindet auch tiefes Verständnis für den Versicherungsmarkt mit Datenbasis und Fachperspektive. Dadurch entstehen Lösungen, die nicht nur theoretisch tragfähig sind, sondern sich auch tatsächlich im Markt platzieren lassen. Werden Versicherer erst spät in die Entwicklung eingebunden, gehen häufig unnötig Zeit und wertvolle Abstimmungsmöglichkeiten verloren. Gute Ideen scheitern dann nicht selten an Zeichnungsrichtlinien oder internen Vorgaben.
Dabei geht es nicht nur um die Idee selbst, sondern auch um die Frage, wie sich neue Lösungen sinnvoll in bestehende Strukturen integrieren lassen. Welche Informationen werden benötigt? Wie lassen sich Anforderungen sinnvoll erfassen? Und wie können unterschiedliche Vorgaben möglichst einheitlich abgebildet werden? Gerade in größeren Produktlandschaften wächst sonst schnell unnötige Komplexität. „Wenn jedes Produkt eigene Fragebögen, eigene Datenanforderungen und eigene Prozesse entwickelt, entsteht schnell ein kaum beherrschbarer Aufwand“, sagt Marcel Märtens. „Deshalb müssen sich neue Lösungen sinnvoll in die bestehende Gesamtlandschaft einfügen und für die beteiligten Einheiten handhabbar bleiben.“
Standardisierung bedeutet dabei jedoch nicht, jede Lösung vollständig zu vereinheitlichen. Gerade bei großen Industrieunternehmen oder komplexen Einrichtungen bleiben individuelle Risikobetrachtungen notwendig. Mit zunehmender Größe und Komplexität der Kunden steigt auch der Bedarf an flexiblen Standards und individuellen Lösungen.
– Marcel Märtens, Leiter ecanalyticsJe dynamischer sich Risiken verändern, desto wichtiger werden belastbare Daten, klare Prozesse und ein enger Austausch zwischen allen Beteiligten.
Impulse aus Markt, Praxis und Daten
Wichtige Impulse für neue Lösungen entstehen auch vor allem durch Veränderungen im Markt – etwa durch neue regulatorische Vorgaben, veränderte Schadenentwicklungen oder sinkende Kapazitäten in einzelnen Segmenten. Solche Entwicklungen machen es häufig notwendig, bestehende Produkte anzupassen oder Deckungskonzepte neu zu denken.
Entwicklungen wie die Krankenhausstrukturreform oder neue Haftungsfragen verändern teilweise ganze Kundensegmente und schaffen neue Anforderungen an Versicherbarkeit und Deckungskonzepte. Gleichzeitig analysiert ecanalytics kontinuierlich Schadenverläufe, Kapazitäten und Marktbewegungen, um Risiken und Marktanforderungen frühzeitig einordnen zu können. „Durch die enge Zusammenarbeit mit Fachbereichen und Versicherern entsteht ein sehr gutes Verständnis dafür, wie sich Anforderungen im Markt verändern“, sagt Marcel Märtens. „Dadurch können wir gemeinsam bewerten, welche Lösungen künftig benötigt werden.“
Wenn Versicherer sich aus bestimmten Segmenten zurückziehen oder Kapazitäten reduzieren, steigt der Druck, neue tragfähige Lösungen zu entwickeln. ecanalytics unterstützt dabei, Risiken auf Basis belastbarer Daten und Analysen transparenter einzuordnen und Konzepte besser platzierbar zu machen. „Gerade in kritischen Marktsegmenten versuchen wir natürlich auch, neue Risikoträger für bestimmte Bereiche zu gewinnen“, erklärt Marcel Märtens. „Wenn Risiken für Versicherer schwer einschätzbar sind, helfen Daten und Analysen dabei, mehr Transparenz zu schaffen. Dadurch lassen sich zusätzliche Kapazitäten häufig überhaupt erst erschließen.“
– Marcel Märtens, Leiter ecanalyticsDaten allein lösen noch kein Problem. Entscheidend ist, daraus Lösungen zu entwickeln, die auch im operativen Alltag und am Versicherungsmarkt funktionieren.
Von der Herausforderung zur konkreten Lösung
Wie datenbasierte Analysen und enge Marktkenntnis in der Praxis zusammenwirken, zeigt der sogenannte Krankenhaussammelexzedent. Hintergrund war eine zunehmende Herausforderung innerhalb der Krankenhaushaftpflichtversicherung: Insbesondere Schäden aus der Geburtshilfe verursachen regelmäßig sehr hohe Schadenkosten mit langfristigen Verläufen. „Die Herausforderung bestand darin, ausreichend Kapazität für sehr hohe Schäden bereitzustellen, ohne dass die einzelnen Krankenhäuser wirtschaftlich überfordert werden“, beschreibt Marcel Märtens die Ausgangssituation. Gemeinsam mit den Fachbereichen der Ecclesia Gruppe wurde deshalb ein Kollektivmodell entwickelt, bei dem zusätzliche Deckungskapazitäten über mehrere Einrichtungen gebündelt werden. Dadurch ließ sich die verfügbare Kapazität deutlich effizienter nutzen. „Statistisch benötigen nicht alle Krankenhäuser gleichzeitig diese hohen Deckungssummen“, erklärt Marcel Märtens. „Durch die Bündelung entsteht ein deutlich effizienterer Kapazitätseinsatz.“
Bereits vor den Gesprächen mit Versicherern wurden Preisvorstellungen, Risikobetrachtungen und Marktanforderungen auf Basis konkreter Datenmodelle bewertet. Der Bedarf war analysiert, die Daten strukturiert aufbereitet und die wirtschaftliche Tragfähigkeit möglicher Lösungen bereits im Vorfeld intensiv geprüft worden. Nicht jeder Versicherer trug den Ansatz sofort mit. Dennoch zeigte sich schnell, dass die Lösung einen konkreten Bedarf im Markt adressiert. Die Resonanz fiel deutlich positiver aus als ursprünglich erwartet. Das Modell wird bis heute erfolgreich eingesetzt und zeigt, wie datenbasierte Analysen, Branchenverständnis und enge Abstimmung ineinandergreifen können.
Integrierte Entwicklung als Zukunftsmodell
Für ecanalytics zeigt sich daran vor allem eines: Erfolgreiche Lösungen entstehen heute nur noch im Zusammenspiel unterschiedlicher Disziplinen. Mathematik, Marktverständnis, Prozesse und Versicherbarkeit greifen zunehmend ineinander. Entscheidend ist deshalb nicht allein die theoretische Qualität eines Modells, sondern auch dessen wirtschaftliche und versicherungstechnische Tragfähigkeit.
Mit steigender Komplexität von Risiken wächst auch die Bedeutung integrierter Entwicklungsprozesse. Die Anforderungen an Datenqualität, Versicherbarkeit und Marktgeschwindigkeit nehmen kontinuierlich zu. „Produktentwicklung wird sich künftig noch stärker zu einem gemeinsamen Entwicklungsprozess entwickeln“, sagt Marcel Märtens.