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Resilienz braucht Präzision: Naturgefahren im Wandel – auf welche Entwicklungen es jetzt ankommt

Höhere Exponierungen, komplexere Schadenmuster und steigende Anforderungen an Prävention und Transparenz prägen das Risikoumfeld vieler Organisationen. Die Auswirkungen von Naturgefahren verändern sich spürbar. Trotz eines ruhigeren Schadenjahres 2025 zeigen Analysen und praktische Erfahrungen, dass sich Unternehmen und Institutionen in einem zunehmend dynamischen und schwer kalkulierbaren Umfeld bewegen.

Diese Entwicklungen ordnen unsere Ecclesia-Experten Gert Wellhöfer, Managing Director Ecclesia Re, Thomas Olaynig, Chief Market Officer und Mitglied der Geschäftsleitung, Michelle Bartholmey, Specialist Market Management und Leonhard Ihli, Head of Market Management, für Sie ein.

2025 wirkt außergewöhnlich ruhig, doch solche Jahre sind Ausnahmen.

– Gert Wellhöfer, Managing Director Ecclesia Re

Strukturelle Risiken rücken in den Vordergrund

Vergleichsweise unspektakulär verlief das vergangene Jahr. Doch hinter den moderaten Schadenzahlen zeigen sich Entwicklungen, die langfristig schwerer wiegen: Die strukturellen Treiber verschieben sich weiter in Richtung Intensität, Dauer und Komplexität. „Die 2025er-Bilanz ist ein statistischer Ausreißer, kein Trendbruch: Die Grundintensität steigt, wir sehen mehr Heavy Tail Risiken, längere Dauer, Clusterung und hohe Volatilität – dieses Ergebnis wirkt eher wie eine Ruhepause“, sagt Gert Wellhöfer.

Auch Michelle Bartholmey blickt weniger auf das einzelne Jahr als auf die langfristigen Trends:

Die entscheidende Frage ist nicht, wie ein einzelnes Jahr ausfällt, sondern wie stabil Unternehmen im Trend steigender Naturgefahren aufgestellt sind.

– Michelle Bartholmey, Specialist Market Management

Langfristige Entwicklungen statt Jahresbetrachtungen

Naturgefahren verlaufen in Wellen – einzelne Jahre erlauben daher kaum Rückschlüsse auf die tatsächliche Gefährdungslage. Entscheidend ist die Entwicklung über längere Zeiträume hinweg. „Entscheidend ist der Trend über viele Jahre: Die Muster verschieben sich strukturell, nicht zufällig – das sehen wir in allen internationalen Modellen“, betont Gert Wellhöfer.


Drei Risikobereiche prägen die aktuelle Lage

Sachversicherung: Moderne Gebäudetechnik und gemischte Bauweisen erhöhen die Schadenanfälligkeit. „Moderne Gebäudetechnik beeinflusst die Schadenhöhe maßgeblich. Kleinere Ereignisse können große Auswirkungen haben, wenn kritische Systeme betroffen sind“, sagt Gert Wellhöfer.

Betriebsunterbrechung: Indirekte Schäden durch Lieferketten nehmen zu. „Unternehmen sind zunehmend von indirekten Folgen betroffen, weit entfernte Ereignisse können Abläufe hierzulande spürbar beeinträchtigen“, erklärt Michelle Bartholmey.

Kfz: Regionale Starkwetterereignisse wirken oft parallel auf ganze Flotten und führen dadurch zu hohen Schadenballungen, weil viele Fahrzeuge gleichzeitig betroffen sind – etwa durch Hagel, Überflutungen oder Starkregen.

Rückversicherer als Taktgeber des Marktes

Die aktuelle Risikodynamik wirkt besonders stark auf die Rückversicherer und damit auf die Preisbildung im gesamten Markt. Rückversicherer bewerten Naturgefahren heute deutlich differenzierter und reagieren sensibel auf Volatilität, Datenqualität und regionale Besonderheiten. Ihre Zeichnungsentscheidungen bestimmen maßgeblich, welche Kapazitäten Erstversicherer bereitstellen können. Die bisherige Erfahrung zeigt: Risikoqualität zählt stärker als Branchenzugehörigkeit. Standort, Exponierung und Prävention beeinflussen zunehmend die Rückversicherbarkeit und damit die Bedingungen für Unternehmen.

„In der Rückversicherung sehen wir sehr deutlich, dass Naturgefahrenrisiken heute anders bewertet werden. Die Rückversicherer setzen die Leitplanken, und daran müssen sich Erstversicherer wie Kunden gleichermaßen orientieren“, sagt Gert Wellhöfer, Managing Director Ecclesia Re.

Rückversicherung passt ihre Mechanik an

Die Entwicklungen im Risikoumfeld spiegeln sich im Verhalten der Rückversicherer wider. „International sehen wir eine klare Bewegung: Rückversicherer konzentrieren sich stärker auf Spitzenrisiken und geben das Basisrisiko an die Erstversicherer zurück. Das verändert die Marktmechanik deutlich“, sagt Gert Wellhöfer.

„Der Markt reagiert sensibler auf Volatilität. Die verfügbaren Kapazitäten richten sich heute strikter nach der Risikoqualität“, sagt Thomas Olaynig. Der Chief Market Officer erklärt: „Frühere pauschale Vorteile für Unternehmen und Institutionen in der Sozialwirtschaft gibt es so nicht mehr. Entscheidend sind Standort, Exponierung und Datenqualität - branchenunabhängig.“


Standort, Technik und Datenqualität bestimmen heute die Versicherbarkeit

Die Belastung vieler Unternehmen steigt. Häufig liegt das weniger an Marktzyklen als an der eigenen Risikosituation. „Die größten Schäden entstehen oft dort, wo man sie am wenigsten erwartet, weil entscheidende Details übersehen wurden. Gerade technische Faktoren und Standortdetails sind heute zentral“, sagt Gert Wellhöfer.

„Mikrogeografische Details verändern das Risikoprofil oft stärker als vermutet. Wenige Meter Höhenlage oder leichte bauliche Unterschiede können entscheidend sein“, erklärt Leonhard Ihli. Thomas Olaynig weist darauf hin, dass eine klare Risikodokumentation heute die Grundlage für stabile Platzierungen bildet.
 

Der Markt reagiert sensibler auf Volatilität als früher.

– Thomas Olaynig, Chief Marketing Officer

Prävention entscheidet über die Widerstandsfähigkeit

Wirksame Prävention entsteht durch das Zusammenspiel aus Bau, Technik und Organisation. Dazu gehören höhergelegene Technikräume, funktionierende Rückstausicherungen, belastbare Entwässerungssysteme und geübte Wiederanlaufkonzepte. „Prävention muss in Bau, Technik und Betrieb spürbar sein. Nur dann entsteht echte Resilienz“, verdeutlicht Gert Wellhöfer den Anspruch.

Für Leonhard Ihli zeigt sich Prävention in der Umsetzung: „Technische Standards, klare Abläufe und konsequente Wartung machen den Unterschied.“

Michelle Bartholmey betont: „Es kommt darauf an, wie gut eine Organisation auf ein mögliches Extremwetterereignis vorbereitet ist.“ Mit unserem Ingenieur- und Architektenteam ecrisk_services für umfassende Risikoberatung unterstützten wir Kunden dabei, Transparenz über ihre tatsächliche Risikosituation zu schaffen und fundierte Investitionsentscheidungen im Risikomanagement zu treffen.
 

Prävention wirkt nur, wenn Verantwortlichkeiten klar geregelt sind.

– Leonhard Ihli, Head of Market Management

Grenzen der Versicherbarkeit:
Regionale Besonderheiten und ESG entscheidend

In einzelnen Regionen und Objektarten werden technische und marktseitige Grenzen der Versicherbarkeit zunehmend sichtbar. „An einigen Standorten ist die Kombination aus Lage, Bauweise und fehlender Prävention so ungünstig, dass das Risiko kaum noch tragbar ist. Dort braucht es neue Ansätze“, sagt Gert Wellhöfer.

Thomas Olaynig verdeutlicht die Marktperspektive: „Auch aus Marktsicht wird es schwierig, wenn Risiko und Transparenz nicht zusammenpassen.“
Michelle Bartholmey erklärt, dass „ESG heute zeigt, wie konsequent eine Organisation Risiken managt“ und welche Leitplanken sie sich gibt – ein Faktor, der sich unmittelbar auf die Versicherbarkeit auswirkt. 
 

Fünf Schritte für mehr Resilienz im Unternehmen

• Standort und Mikrolage analysieren
• Gebäudetechnik bewerten und modernisieren
• Entwässerung und Rückstauschutz prüfen
• Betriebliche Abhängigkeiten dokumentieren
• Wiederanlaufkonzepte stärken
 

„Wer seine Gefährdungslage im Detail kennt, kann gezielt investieren und verbessert automatisch die Versicherbarkeit“, sagt Gert Wellhöfer.

Thomas Olaynig weist darauf hin, dass eine klare Risikodokumentation heute die Grundlage für stabile Platzierungen bildet. 

Für Michelle Bartholmey zeigt sich Widerstandsfähigkeit vor allem durch ein umfassendes Verständnis des Risikos – technisch, organisatorisch und geografisch.
 

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