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Ambulantisierung im Gesundheitswesen

Trend zur Verlagerung stationärer Leistungen in den ambulanten Bereich – eine Einschätzung

Die Grenzen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung verschieben sich zunehmend. Immer mehr Leistungen, die früher im Krankenhaus erbracht wurden, erfolgen heute in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), Praxisgemeinschaften oder spezialisierten Gesundheitszentren. Was lange als Zukunftsvision galt, wird Realität: Operationen, Diagnostik und Nachsorge erfolgen außerhalb des klassischen Klinikbetriebs. Dieser Wandel betrifft nicht nur medizinische Prozesse, sondern auch Trägerstrukturen, Versicherungsmodelle und die strategische Ausrichtung von Einrichtungen. Für Verantwortliche in Unternehmen und Institutionen stellt sich die Frage: Wie lässt sich dieser Wandel sicher, wirtschaftlich und zukunftsfähig gestalten? Unsere Expertin Lisa Haase und unser Experte Daniel Schlehmeier geben dazu eine Prognose

Die Gründe für die Ambulantisierung sind vielfältig:  Der Kostendruck in den Kliniken steigt, während der Fachkräftemangel die Verweildauer von Patientinnen und Patienten verkürzen muss. Gleichzeitig ermöglichen technologische Fortschritte, minimalinvasive Verfahren und die Digitalisierung sichere Behandlungen auch ohne stationären Aufenthalt.

„Dadurch können Krankenhäuser und Ärztinnen und Ärzte entlastet werden und Kapazitäten für schwere und komplexe Fälle werden geschaffen. Hinzu kommt ein klarer gesellschaftlicher Trend: der Wunsch nach wohnortnaher, flexibler und patientenzentrierter Versorgung – insbesondere im ländlicheren Raum“, berichtet Lisa Haase, Senior-Kundenbetreuerin für den Bereich Universitätskliniken.

Politische Reformen wie das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG), die Einführung von  Level-1i-Krankenhäusern, Hybrid-DRGs und die Erweiterung des AOP-Katalogs treiben die Entwicklung weiter voran. „Die größte Chance sehe ich darin, die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu verbessern und stationäre Leistungserbringer zu entlasten“, sagt Lisa Haase. „Die Verlagerung verlangt allerdings auch nach neuen Konzepten in Organisation, Ausgestaltung der Vergütungssysteme, Haftung und Versicherungsschutz.“

Veränderte Strukturen und Erwartungen

Die Ambulantisierung schafft Dynamik. Für Kliniken  eröffnet sie die Möglichkeit, neue Leistungsbereiche zu erschließen und bestehende Strukturen flexibler zu gestalten – etwa durch Tageskliniken, Kooperationen mit niedergelassenen Fachärzten oder den Aufbau eigener 
MVZ. Ambulante Leistungserbringer übernehmen komplexere Eingriffe und investieren in Technik, Personal und Prozessqualität.

Auch technisch entstehen neue Herausforderungen: Die zunehmende Digitalisierung von Abläufen, Telemedizin und elektronische Patientenakten schaffen Effizienz – aber auch Cyberrisiken.

– Lisa Haase, Senior-Kundenbetreuerin für den Bereich Universitätskliniken

Auch die Arbeitswelt verändert sich. „Viele junge Ärztinnen und Ärzte streben nach geregelten Arbeitszeiten und bevorzugen Anstellungen in ambulanten Einrichtungen gegenüber einer freiberuflichen Tätigkeit oder Schichtarbeit im Krankenhaus“, berichtet Daniel Schlehmeier, Abteilungsleiter Geschäftsfeld Ambulantes Gesundheitswesen. Gleichzeitig stehen viele Praxisinhaber vor dem Ruhestand und finden keine Nachfolge. Investoren und größere Versorgungsstrukturen bieten neue Perspektiven – sowohl für die Übergabe bestehender Praxen als auch für die Anstellung junger Fachkräfte.

Auf der stationären Seite zeigt sich eine zunehmende Spezialisierung. Krankenhäuser konzentrieren sich verstärkt auf komplexe Fälle, während Routineeingriffe und Nachsorge in ambulante Strukturen ausgelagert werden. „Kooperationen zwischen stationären und ambulanten Einrichtungen nehmen zu, etwa in Form gemeinsamer OP-Zentren oder sektorenübergreifender Netzwerke“, berichtet Lisa Haase.

Unsere Aufgabe als Versicherungsmakler ist, dass wir zum einen die Absicherung wirtschaftlich gestalten, aber vor allem überhaupt Versicherungsschutz zur Verfügung stellen können.

– Daniel Schlehmeier, Abteilungsleiter Geschäftsfeld Ambulantes Gesundheitswesen

Risiken im Wandel – Haftung und TechnikMit der neuen Versorgungslogik verändern sich auch die Risikoprofile. Wo früher ein klarer Klinikbetrieb mit bekannten Haftungspflichten bestand, entstehen heute hybride Strukturen. Daniel Schlehmeier: „Wenn jetzt invasive Eingriffe ambulant erfolgen, die bisher stationär erfolgt sind, sind es trotzdem noch die gleichen Eingriffe – nur in einer anderen Verrichtungsform.“ Schnittstellenrisiken sind dabei eines der zentralen Themen. Wenn beispielsweise eine Operation in den Räumen eines Krankenhauses stattfindet, das Personal jedoch aus einem externen MVZ stammt, verschwimmen die Haftungsgrenzen. Wie sind Datenschutz,  Dokumentation und Aufklärungspflichten geregelt?

„Auch technisch entstehen neue Herausforderungen: Die zunehmende Digitalisierung von Abläufen, Telemedizin und elektronische Patientenakten schaffen Effizienz – aber auch Cyberrisiken“, sagt Lisa Haase.

Versicherungsschutz neu denken

Die Ambulantisierung verlangt nicht nur medizinische und organisatorische Anpassungen, sondern auch ein neues Denken in der Risikoabsicherung. „Viele Einrichtungen stellen fest: Ihre bisherigen Versicherungslösungen passen nur bedingt zu den neuen Strukturen“, erklärt Daniel Schlehmeier. Sobald Kooperationen entstehen oder Patientinnen und Patienten zwischen Einrichtungen wechseln, stoßen klassische Vertragsmodelle an ihre Grenzen.

„Unsere Aufgabe als Versicherungsmakler ist, dass wir zum einen die Absicherung wirtschaftlich gestalten, aber vor allem überhaupt Versicherungsschutz zur Verfügung stellen können“, betont Daniel Schlehmeier. Es bedarf individueller Konzepte und besonderer Bedingungswerke. „Unsere Aufgabe als Makler ist es, neue Risikoträger zu gewinnen und darzustellen, dass die Herausforderungen in beiden Bereichen ähnlich sind.“


Neben der Haftpflicht rücken weitere Versicherungsthemen stärker in den Fokus:

  • Betriebsunterbrechung und Ertragsausfall: 
    Gerade für MVZ oder Tageskliniken kann ein techni
    scher Ausfall schnell existenzbedrohend werden.
  • Cyber- und Datenschutzrisiken: 
    Die Digitalisierung der Patientenkommunikation, Di
    agnostik und Abrechnung erhöht die Anforderungen 
    an IT-Sicherheit und Cyberversicherung.
  • Medizinprodukte und Technik: 
    Geräte, die früher nur in Kliniken eingesetzt wurden, 
    finden zunehmend Anwendung im ambulanten Be
    reich – mit neuen Prüf- und Haftungspflichten.

Beratung als Erfolgsfaktor

Eine gute Beratung schafft Sicherheit für den laufenden Betrieb und für die strategische Planung. „Wir helfen unseren Kunden – von der Uniklinik bis zum niedergelassenen Arzt –, Risiken zu erkennen, diese zu bewerten und entsprechend abzusichern. So kann sich der Kunde auf seine Kernaufgabe konzentrieren“, erklärt Daniel Schlehmeier. Lisa Haase ergänzt: „Versicherungsschutz sollte aktiv gestaltet statt passiv verwaltet werden.“

Versicherungsmakler mit Branchenspezialisierung übernehmen in dieser Übergangsphase eine Schlüsselfunktion: Sie übersetzen regulatorische Anforderungen, bewerten individuelle Risikoprofile und entwickeln modulare Deckungskonzepte, die ambulante und stationäre Elemente verbinden. „Für uns als Makler gilt: Partner in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess sein und den Wandel aktiv begleiten“, erklärt Lisa Haase. Daniel Schlehmeier ergänzt: „Hierbei können wir unsere Expertise aus beiden Bereichen, sowohl dem ambulanten als auch dem stationären Sektor, einfließen lassen.

Die Ambulantisierung könnte das Gesundheitswesen bis 2030 grundlegend verändern. Wahrscheinlich würden große Krankenhäuser und 
Universitätskliniken verstärkt komplexe, hochspezialisierte Fälle übernehmen, während  Level-1i-Krankenhäuser und ambulante Einrichtungen eher Routineeingriffe, Diagnostik und Nachsorge leisten würden. Digitale Plattformen, KI-gestützte Planung und Telemedizin wären dann vermutlich keine Innovation mehr, sondern ein fester Bestandteil eines vernetzten Versorgungssystems.

„Ich könnte mir vorstellen, dass die Verweildauer im stationären Bereich durch den technischen Fortschritt abnimmt“, prognostiziert 
Daniel Schlehmeier. Gleichzeitig betont Lisa Haase:  „Versicherungsschutz, Qualitätsmanagement und IT-Sicherheit werden zunehmend 
zu einem gemeinsamen Steuerungssystem verschmelzen.“

Für die Ecclesia Gruppe würde dieser Wandel bedeuten: Komplexität verstehen, Risiken antizipieren und Sicherheit gestalten. „Mit fundiertem Know-how in beiden Versorgungswelten – ambulant und stationär – begleiten wir unsere Kunden durch den Transformationsprozess. Denn Zukunft braucht Vertrauen – und Expertise, die vorausdenkt“, fasst Daniel Schlehmeier zusammen.