Dieses Bild wurde mit Künstlicher Intelligenz erzeugt oder bearbeitet.
Wenn Hitze zum Risiko wird - Wie Prävention, Krisenvorsorge und Versicherungsschutz zusammenspielen
Die möglichen Folgen extremer Hitze und weiterer Wetterereignisse reichen von Personen- und Sachschäden bis hin zu Betriebsunterbrechungen. Sowohl Starkregen als auch hohe Temperaturen können technische Anlagen beeinträchtigen und Betriebsabläufe erheblich stören. Deshalb sollten Verantwortliche regelmäßig prüfen, ob sie organisatorisch auf solche Ereignisse vorbereitet sind und der bestehende Versicherungsschutz den jeweiligen Risiken noch entspricht.
Entscheidend ist das Schadenereignis
„Viele Sach- und Betriebsunterbrechungsschäden, die durch Hitzeperioden entstehen oder begünstigt werden, lassen sich bereits über klassische Versicherungslösungen absichern“, erklärt Peter Sprang. „Dazu zählen insbesondere Schäden durch Feuer, Sturm, Hagel, Starkregen und Überschwemmung. Entscheidend ist dabei nicht die Hitze selbst, sondern das konkrete Schadenereignis.“ Ob und in welchem Umfang Versicherungsschutz besteht, hängt von den individuell vereinbarten Vertragsinhalten ab. Je nach Ausgestaltung können auch hitzebedingte Folgeschäden abgesichert sein.
Wald- und Vegetationsbrände gewinnen infolge anhaltender Trockenperioden an Bedeutung. Ein Vegetationsbrand kann zum versicherten Schaden führen, wenn das Feuer den Versicherungsort erreicht und beispielsweise versicherte Gebäude oder versichertes Inventar beschädigt.
Elementar-Versicherungsschutz im Blick behalten
Auch der Elementarschutz spielt bei der Absicherung wetterbedingter Risiken eine wichtige Rolle. Starkregen, Überschwemmungen und weitere Naturgefahren nehmen langfristigen Statistiken zufolge zu und können erhebliche Schäden verursachen.
Ob und zu welchen Konditionen Elementarschutz erhältlich ist, hängt wesentlich vom jeweiligen Standort ab. Dabei spielen die Hochwassergefährdung, das Starkregenrisiko sowie die Zuordnung zu Sturm- und Hagelzonen eine wichtige Rolle. Grundlage einer fundierten Beratung ist deshalb eine standortbezogene Risikoanalyse. Die daraus ermittelte Naturgefahrenexponierung beeinflusst die Risikoeinschätzung, die Anforderungen an die Prävention, den Versicherungsbedarf und die risikogerechte Ausgestaltung des Versicherungsschutzes.
Betriebsunterbrechungen mitdenken
Ein Schaden betrifft häufig nicht nur ein Gebäude oder eine technische Anlage. Noch gravierender können die Folgen für den laufenden Betrieb sein: Bereiche lassen sich nicht mehr nutzen, Leistungen müssen verlagert oder Betriebsabläufe eingeschränkt werden. „Neben dem unmittelbaren Sachschaden sind auch mögliche Auswirkungen auf den Betrieb zu berücksichtigen – etwa Mehrkosten für die Aufrechterhaltung der betrieblichen Aktivitäten oder Ertragsausfälle durch Betriebsunterbrechungen oder Störungen in der Lieferkette“, betont Peter Sprang. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung ist deshalb ein wichtiger Baustein der Absicherung. Voraussetzung ist in der Regel jedoch, dass die Unterbrechung auf eine versicherte Gefahr zurückzuführen ist.
Auch indirekte Folgen von Wetterextremen gehören in die Risikobetrachtung. Beschädigte Verkehrswege, eingeschränkte Flusstransporte bei Niedrigwasser oder Störungen der Energieversorgung können Lieferketten und Betriebsabläufe beeinträchtigen. Besonders betroffen sind Unternehmen und Institutionen, die auf funktionierende Kühlketten, technische Anlagen oder andere sensible Infrastrukturen angewiesen sind. Fallen Stromversorgung oder Kühltechnik aus, können Medikamente, Lebensmittel oder temperaturempfindliche Materialien unbrauchbar werden. Versorgungsengpässe und zusätzliche Kosten können den Betriebsablauf weiter belasten. Ob und in welchem Umfang solche Schäden versichert sind, richtet sich auch hier nach dem vereinbarten Deckungsumfang.
Grenzen des Versicherungsschutzes
Schäden, die sich allmählich durch Witterungs- oder Klimaeinflüsse entwickeln, sind über klassische Versicherungslösungen in der Regel nicht abgedeckt. Dazu zählen beispielsweise spröde Dichtungen, witterungsbedingte Risse in Fassaden oder Gebäudeschäden infolge austrocknender Böden. „Das reine Setzen oder Senken von Böden aufgrund von Austrocknung oder eines sinkenden Grundwasserspiegels ist klassischerweise keine versicherte Gefahr“, erklärt Peter Sprang. Auch der häufig verwendete Begriff „Klimafolgeschaden“ begründet für sich genommen keinen Versicherungsschutz, denn er ist kein versicherungstechnisch definierter Begriff.
Eine mögliche Ergänzung des konventionellen Versicherungsschutzes sind parametrische Versicherungslösungen. Bei ihnen löst nicht ein konkret nachgewiesener Sachschaden die vereinbarte Zahlung aus, sondern das Erreichen eines zuvor definierten Parameters – beispielsweise eines bestimmten Temperaturwerts, einer Niederschlagsmenge, eines Pegelstands oder eines Dürreindexes. Solche Deckungen werden in Deutschland bislang eher selten nachgefragt und nicht von allen Risikoträgern angeboten. Ob sie zur Absicherung eines konkreten Risikos geeignet sind, muss im Einzelfall geprüft werden.
– Peter Sprang, Spartenleiter Sach-/Technische VersicherungenHitze ist oft der Auslöser. Versichert ist aber in der Regel das konkrete Folgeereignis.
Prävention und Versicherungsschutz zusammendenken
Mit der Zunahme von Wetterextremen gewinnt die Prävention an Bedeutung. Dazu gehören bauliche Schutzmaßnahmen gegen Starkregen, Notfall- und Brandschutzkonzepte, die regelmäßige Wartung technischer Anlagen, Vorbereitungen auf Stromausfälle und eine realistische Bewertung der eigenen Standorte. „Wesentliche Risiken aus Wetterextremen sind heute schon versicherbar. Wichtig ist, Prävention mitzudenken und den Versicherungsschutz für Elementarschäden und Betriebsunterbrechungen passend aufzustellen“, betont Peter Sprang.
– Peter Sprang, Spartenleiter Sach-/Technische VersicherungenJe genauer Unternehmen und Institutionen ihre Standortrisiken, Abhängigkeiten und Betriebsabläufe kennen, desto gezielter lassen sich Prävention und Versicherungsschutz aufeinander abstimmen.
Hitzefolgen werden häufig unterschätzt
Besonders Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen müssen extreme Hitze als eigenständiges Risikoszenario berücksichtigen. Sie betreuen häufig vulnerable Menschen, während viele ihrer Gebäude nicht auf die heutigen Hitzebelastungen ausgelegt sind. „Hitze wurde lange nicht als eigenständiges Risikoszenario betrachtet“, sagt Frederik Meilwes. Mit den häufiger auftretenden Hitzeperioden verändert sich diese Einschätzung jedoch zunehmend.
Die Auswirkungen betreffen Menschen, Versorgungsprozesse und betriebliche Abläufe gleichermaßen. Hohe Temperaturen können die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden beeinträchtigen und damit die Gefahr von Fehlern erhöhen. Gleichzeitig sind ältere, pflegebedürftige oder gesundheitlich geschwächte Menschen besonders gefährdet. Da sie häufig nicht selbst für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen können, müssen Einrichtungen ihre Versorgung während einer Hitzewelle gezielt sicherstellen.
Auch die Lagerung von Medikamenten und anderen temperaturempfindlichen Produkten sollte überprüft werden. In nicht ausreichend gekühlten Räumen können die vorgesehenen Lagertemperaturen während längerer Hitzeperioden überschritten werden.
Sensible Bereiche frühzeitig identifizieren
Besondere Aufmerksamkeit benötigen zudem Bereiche wie Intensivstationen, Notaufnahmen und Wartezonen. Dort halten sich Menschen auf, die gesundheitlich bereits belastet sind. Gerade in Notaufnahmen können hohe Temperaturen die Situation zusätzlich verschärfen, wenn Patienten mit hitzebedingten Beschwerden eintreffen und längere Wartezeiten überbrücken müssen.
Anders als viele andere Krisenszenarien kündigen sich Hitzewellen in der Regel an. Einrichtungen können diese Vorlaufzeit nutzen, um Verantwortlichkeiten, Kommunikationswege und vorbereitete Maßnahmen zu aktivieren. Orientierung bieten die Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes, aus denen sich klare Eskalationsstufen für die eigene Einrichtung ableiten lassen. „Bei der Vorbereitung sollten die jeweiligen Hitzewarnstufen berücksichtigt und daraus Maßnahmen für die eigene Einrichtung abgeleitet werden“, sagt Frederik Meilwes. Kurzfristig helfen vor allem ausreichende Trinkwasservorräte, zusätzliche Verschattung, gezielte Lüftung und kühle Rückzugsbereiche. Körperlich belastende Tätigkeiten sollten möglichst in kühlere Tageszeiten verlegt werden
– Frederik Meilwes, Geschäftsführer der GRB Gesellschaft für RisikoberatungHitzeschutz sollte keine Insellösung sein, sondern in bestehende Alarm-, Einsatz- und Krisenstrukturen eingebunden werden.
Hitzeschutz in Krisenstrukturen verankern
Langfristig sollte der Hitzeschutz fester Bestandteil des bestehenden Notfall- und Krisenmanagements sein. Dazu gehören bauliche Maßnahmen zur Verschattung, die gezielte Klimatisierung besonders sensibler Bereiche sowie die Überprüfung hitzeempfindlicher Technik und Lagerflächen. Frederik Meilwes warnt dabei vor separaten Einzellösungen: „Stattdessen sollte das Thema in bestehende Alarm-, Einsatz- und Krisenstrukturen eingebunden werden.“ Vorhandene Strukturen sollten deshalb um konkrete Maßnahmen für Hitzeperioden ergänzt werden. So können Einrichtungen vulnerable Menschen besser schützen und ihre Handlungsfähigkeit auch bei extremen Temperaturen aufrechterhalten.
Checkliste: Gut vorbereitet auf Hitze und Wetterextreme?
Versicherungsschutz
- Ist Elementar-Versicherungsschutz vereinbart – insbesondere für Starkregen und Überschwemmung?
- Sind Feuer, Sturm, Hagel und weitere relevante Naturgefahren ausreichend abgesichert?
- Besteht eine passende Betriebsunterbrechungsversicherung, die auch mögliche Mehrkosten berücksichtigt?
- Sind Kühlgut, Medikamente, temperaturempfindliche Waren und technische Anlagen bedarfsgerecht abgesichert?
- Wurden Standortgefahren sowie Abhängigkeiten von Lieferketten, Transportwegen und Energieversorgung in der Risikoanalyse berücksichtigt?
Prävention und Krisenvorsorge
- Sind Notfall-, Hitzeschutz- und Brandschutzkonzepte aktuell und Verantwortlichkeiten klar geregelt
- Werden Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes berücksichtigt und mit konkreten Maßnahmen verknüpft?
- Sind Trinkwasserversorgung, Verschattung, Lüftung und kühle Rückzugsbereiche sichergestellt?
- Werden sensible Bereiche, Lagerbedingungen und technische Anlagen regelmäßig überprüft?
- Bestehen Vorbereitungen für den Ausfall von Stromversorgung oder Kühltechnik?