Wie das Gesundheitswesen widerstandsfähiger wird
Unter dem Leitmotiv „Zukunft – resilient!?“ lud die Ecclesia Gruppe am 16. September 2026 zum zweiten Absacker nach Berlin ein. Die Gastgeber Gunnar Pepping und Carsten Stracke, Leiter des Geschäftsbereichs Gesundheit, Kirche und Soziales bei der Ecclesia Gruppe, griffen damit eine Frage auf, die viele Einrichtungen beschäftigt: Wie lässt sich Versorgung sichern, wenn vertraute Sicherheiten wegbrechen? Der Abend brachte dazu unterschiedliche Erfahrungen zusammen und gab Raum für den Austausch mit dem Publikum.
Durch die Diskussion führte Dr. Daniel Dettling, Zukunftsforscher und Geschäftsführer von Gesundheitsstadt Berlin. Er verband die aktuellen Krisen mit den langfristigen Veränderungen durch Demografie, Digitalisierung und Klimawandel. Mehr Menschen benötigen Pflege, während Personal knapp bleibt; neue Technologien verändern die Arbeit, und klimatische Belastungen stellen zusätzliche Anforderungen an Gebäude und Betreuung. Die Frage nach Widerstandsfähigkeit beginnt damit bereits im Alltag der Einrichtungen.
Versorgung als gemeinsame Verantwortung
Wie eng die Handlungsfähigkeit des Gesundheitswesens mit gesellschaftlicher Sicherheit zusammenhängt, verdeutlichte Generalleutnant a. D. Andreas Marlow, zuletzt Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres und Kommandeur Militärische Grundorganisation im Kommando Heer. Seine sicherheitspolitische Perspektive lenkte den Blick auf Belastungen, bei denen zusätzliche Verletzte versorgt werden müssten und zugleich die medizinische Betreuung der Bevölkerung weiterlaufen müsste. Auch Ausfälle kritischer Infrastruktur gehören zu den Herausforderungen, auf die sich Einrichtungen vorbereiten müssen.
Dabei wurde deutlich, wie wichtig die Zusammenarbeit über die einzelne Organisation hinaus ist. Versorgungssicherheit hängt davon ab, dass Zuständigkeiten geklärt sind und verfügbare Kapazitäten zusammenwirken können. Der Austausch berührte auch die Frage, wie viel Vorsorge ein Gesundheitssystem braucht und welchen Stellenwert Reserven bei wirtschaftlichen Entscheidungen erhalten.
Von internationalen Erfahrungen lernen
Den Blick über Deutschland hinaus öffnete Prof. Dr. Bettina Borisch, CEO der World Federation of Public Health Associations. Ihre internationalen Erfahrungen lenkten die Diskussion auf Prävention und auf das Vertrauen, das Gesundheitssysteme im Krisenfall trägt. Am Beispiel Taiwans zeigte sie, wie die Auseinandersetzung mit Naturereignissen und geopolitischen Bedrohungen den Umgang mit Unsicherheit prägt. Erfahrungen anderer Länder können Orientierung geben, müssen aber im jeweiligen gesellschaftlichen und strukturellen Zusammenhang betrachtet werden.
Prof. Dr. Bettina Borisch stellte zudem die starke Ausrichtung auf die Behandlung bereits entstandener Erkrankungen zur Diskussion. Wer Versorgung langfristig widerstandsfähiger machen will, muss auch die Erhaltung von Gesundheit stärker berücksichtigen. Damit reicht die Verantwortung über die Einrichtungen hinaus und betrifft ebenso politische Entscheidungen und die gesellschaftlichen Voraussetzungen von Gesundheit.
Lokale Hilfe im Blick
Die Fragen aus dem Publikum ergänzten die Impulse um Erfahrungen aus dem Alltag. Ein Teilnehmer erinnerte an die Schneekatastrophe von 1979 und die damalige Versorgung im Dorf. Daraus entstand die Frage, welche lokalen Anlaufstellen heute noch tragen, wenn gewohnte Strukturen ausfallen. Soziale Verbindungen und gegenseitige Unterstützung wurden damit ebenso zum Thema wie die Leistungsfähigkeit großer Versorgungssysteme.
Gunnar Pepping brachte den Gedanken zum Abschluss auf den Punkt: „Resilienz beginnt nicht erst im Krisenfall.“ Der zweite Absacker zeigte, wie eng Vorbereitung mit Vertrauen und belastbaren Verbindungen zusammenhängt. Die unterschiedlichen Perspektiven boten Anknüpfungspunkte, um die eigene Verantwortung für eine verlässliche Versorgung weiterzudenken – in den Einrichtungen und im Zusammenspiel mit anderen Akteuren.
Ausblick auf den Absacker 2027
Auch im kommenden Jahr lädt die Ecclesia Gruppe wieder zum Absacker nach Berlin ein: Am 29. September 2027 geht die Veranstaltungsreihe in die nächste Runde. Einen Film mit Impressionen des diesjährigen Absackers sowie weitere Informationen zur Veranstaltung 2027 finden Sie hier.